GAX AXEL GUNDLACH
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Gedichte waren und bleiben eine besondere Herausforderung. Ein oder zwei starke Bilder zu finden, einen Gedanken mit einem Gefühl in wenigen Zeilen zu verdichten, sich zu begrenzen und dadurch zu klären. 

ZEIT

 

Johera trug

Den Krug

Auf ihrem Kopfe

Sodass kein Tropfen

Vom Gut

Verloren gänge

Wie geschickt

Ihr Genick

Ihre Hände

Und ging ihres Wegs

Vom Durst getrieben

Doch war

Am Ende

Kein Tropfen

Geblieben

 

Nun war vielleicht

Der Weg zu lang

Die Sonne stand

Zu hoch?

 

Aus meiner Sammlung von Haiku:

FÜNF SIEBEN FÜNF

 

Ein Gegenstand bloß A thing in itself

Natur bewundert sich selbst nature admires its nature

- während ich gehe - while I make my way

 

 

Himmel Wolkenmeer A sea of quick clouds

Blatt stemmt sich gegen den Wind a leave uprises against

- zitternd vor Freude - quivering in joy

 

 

Tümpel am Wegrand A swamp lake aside

Licht streut Sterne darüber Some light sprinkling stars on it

Ein Frosch macht Struktur A frog draws structures

 

 

Der Tag atmet ein The day takes a breath

Der Käfer streift den Tau ab The bullbug wipes off the dew

- Kirschblüten fallen - cherry blossoms fall

 

 

Rabe auf Papier  Raven on paper

Schwarze Feder verloren a black feather has gone lost

- wie schreibst du mir noch? - How will you write me?

 

 

Sein Bett verlassen Having left its bed

schaut der Fluss in mein Fenster the river peeps through the glass

- ein Schwan treibt vorbei  - a swan drifting by

 

 

Starr auf einem Bein  Frozen on one leg

zielt der Reiher seinen Tritt the silver bird aims its step

vorsichtig voran carefully onwards

 

 

Der Schneemann schmilzt schnell  Snowmen melting fast

unter dem Klang des Lerchenlieds with the sound of the bird’s song

- so fern ihr Herz schlägt - so far her heart beats

 


Gras biegt sich im Wind Gras bends in the wind

- das Heer der Halme im Krieg - the army of blades at war

fürchtet keinen Tod not afraid of death

 

 

Der See kommt zur Ruh The lake comes to calm

Ich beug mich in den Spiegel I bend over the mirror

Seh dort dein Gesicht shows your face in mine

 

Aus der Sammlung: Feuerland

BÖE BRANDUNG ATEM

Kein Schmerz wär süßer

Als eure Kraft zu spüren

Will hingegeben sein

In eure Macht

 

Nicht einssein

Sondern sich verlieren

In Unkenntlichkeit

Aufgelöst in eurer Nacht

 

In Nichts als ihren Armen

In Nichts als ihrem Atmen

Ein Treibholz jeglichen Gefühls

Und Narr genug zu hoffen

 

Wie ich dich liebe, Böe

Wie ich dich liebe, Brandung

Wie mich dein Atem löscht

Und neu entfacht

 


 

Aus der Sammlung: Feuerland

RÄTSEL FÜR SCHLÄFERIN

Kam an einen Baum, sag zu ihm:
“Komm mit mir!”

Sagte der Baum:
“Warte nicht, ich blühe Dir hinterher!”


Kam Sommer, Herbst, Winter und ...


Kam wieder an den Baum, und sag:
“Ich habe Dich vermisst!”


Da flüstert der Baum:
“Verzeih, ich blühte!”

 

 

 

Aus der Sammlung: Feuerland

HOCHWASSER

 

Als das Wasser hoch kam

Ging ich hinunter zum Kai

Und balancierte auf einem Geländer

 

Mitten über den Fluss

So dass von Zeit zu Zeit

Meine Füße das Wasser berührten

 

Dann warf ich eine Münze

Zu sehen wie schnell

Mich die Flut hinunter zöge

 

Und noch ein Holz hinterher

Wohin - Reise der Fantasie -

Mein Ich mit meiner Leiche triebe ...


 

Aus der Sammlung: Feuerland

FLIEGERIN

Aus des Baumes kahler Krone
Die ich nunmehr allein bewohne

Erhebt sie sich als freier Flieger

Reckt, streckt ihre Schwingen

Mag der Flug zum Flug gelingen

Sei der freien Lüfte Krieger

 

Schau in den blauen Himmel hinterher

Denk nicht an verlorne Träume

Denk an Freiheit und das Meer

 

Lebe Liebe, liebe Leben

Bau dem Herzen neue Räume

Lass Du nun Dein Luftschloss schweben

 

Erhebe Dich. Du sollst nicht büßen

Solltest nichtmals mehr verstehen

Vergiss, dass es mich trotzdem gibt

 

Lass mich derweil auf meinen Füßen
Zu fernen Sternen gehen ...

Vergib, dass ich Dich so geliebt ...

 


 

Aus der Sammlung: Feuerland

IM STERN DES SCHMERZES

 

Jäh durchbrochen, durchdrungen von dir, restlos entleert

Hast dich durchgefressen an meiner Liebe Fülle

Meine Haut verkam zu kaum mehr als deiner Hülle

Warum ließ ich gewähren und hab mich nicht gewehrt

 

Du beherrschst mein Denken, tauchst in meinen Traum

Bohrst dich wie ein Wurm verquer durch meine Seele

Wanderst durch mein Leben, als wenn es nichts zähle

Lässt meinen Stumpf zurück in einem leeren Raum

 

Auf dieser Seite meines Lebens Spiegel

Nenn ich Unheil dich, Zerstörer, Ungetüm

Doch tief unter meines Herzens Siegel

Weiß ich dich Wunder, Liebe, tiefstes Glühn

 

Bist kein Stern von vielen in himmelklarer Nacht

Bist in mir einzig, leuchtest unter Tage

Nicht Stern der Hoffnung, die dein Lächeln macht

Bist Stern des Schmerzes, den ich in mir trage

 


Aus der Sammlung: Trinklieder

IDIOTENDÄMMERUNG

Seh Ekel

Meiner selbst gewahr im Spiegel

Die Augen Blut

Die Zunge sabbernd, röchelnd

Die Lippenwinkel aufgesprengt

Den Hals verrenkt

Der greise Geist wird stumpf samt Stil versenkt

Stammelnd, faselnd, lallend

Halb auf Wolken torkelnd

Halb vom Himmel fallend

 

Wohin nur mit den Blitzen?

All der Ohnmacht

Starr auf den Planeten
Oberfläche meiner Schöpfung

Und Erschöpfung

Es ist angerichtet, doch ...

Erwartet keinen Ratschluss mehr

Kein Schicksal kommt aus meiner Hand

Kein Hinweis auf die rechte Tat

Den Schein

Ihr seid nunmehr Eurer selbst

Verbannt

Verdammt

Euch nunmehr selbst zu sein

 

So dämmere es nun

Euch und

Euren dunklen Schädeln

Seid einäugig unter Wenigen

Und tut Euch fett am

Göttlichen Kadaver noch bevor

Ein Stein den Leichnam in die Grube drückt

Welch unheilvoller jüngster Tag

Welch unaufteilbar reines ...

Welch unaufhaltsam zweifelhaftes Glück ...

 

 

Aus der Sammlung: Trinklieder

IN VINO VERITAS

 

Trink! verlangten ihre Lippen

Trink! glühten ihre Augen

Im Wein die Wahrheit, alter Mann

In Trunkenheit entblößen sich die Seelen

 

Trink! Ich will dich wanken sehen

Trink! Will den Kern erblicken

Erst wenn die Fadenpuppe ohne Führung liebt

Kann ich mir sicher sein, dass du mich meinst

 

Trink! Gründe gibt es viel zu viele

Ich traue keiner Liebe, die nur und

Ausschließlich von Nüchternheit sich nährt

 

Trink! Ich will Dich wehrlos sehen

Damit ich nun beginnen kann Dich

Auch zu lieben - trotz der Freiheit 

 

Aus der Sammlung: Rotlichter

Kiezkrieg


So seid ihr:

     Opfer der Nacht ...

Ich habe Dich gekauft und
Deine Lippenschenkel
Spreizen sich für mein Florett/
Mit Macht bohrt sich der
Stoßzahn - Blut Dein Lippenstift -
Tief in Deinen Schlund;

     Du stöhnst gekonnt nach
     Luft ...


Im Eingang dieser Steige
Zückt indes ein
Rival Deines Schützers
Seinen kahlen Türkendolch und
Dein Besitzer stöhnt - wie Du!-
Als jene krumme Klinge rasch
Zweidreimal
Seinen Ludenranzen schlitzt;..


Der Mordgeselle schwitzt - wie Du!-
Bei seiner Arbeit und
Gradso wie Deines Herrschers
Blut feucht
Über seine Amsel sickert, verströmt
Sich meine Auster nun
Über Dein

     Gesicht ...

 

Aus der Sammlung: Rotlichter

Die heilige Yolante

Der Nachtportier im Paradies
Schnürt einen Wäschesack
Voll saftbefleckter Leinen
Man klingelt ihm nach
RotemKrim und manchmal auch
Nach schaurigschönem Grusel ...


Das Dunkel seine Heimat sonst;
Sein Anzug hatte Vorbesitzer
Die Finger seiner Linken
- einzeln ausgerissen - sind
Vierzig Jahre Staub in der
Ukraine; die Kolben
Feindlicher Gewehre fraßen
Sein Gesicht ...


Der VogelLieblich zwischen seinen
Beinen hat sich seither
Nichtmehr zum Flug emporgereckt
Kein Hurenschlecken
- nicht für alle Taler -
Verwöhnt den welken Schweif ...


Verspottet und
Verhöhnt, der flügellahme Greif
Als sie jedoch den wanken Hünen vor
Solcher Sehnsucht weinen sah,
Da faßt Yolante sich ihr
Sorgsam abgewetztes Herz
Und frischt Erinnerung ...